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Zurück in die Zukunft

Tal, Gil und Abi Ofarim

Trat mit seinen Söhnen Tal (links) und Gil (rechts) gemeinsam auf: Musiker Abi Ofarim (Mitte). Foto: Mila Pairan

Comeback mit einer musikalischen Lesung: Abi Ofarim verzückt alte Weggefährten im „Kalypso“

Ich hätte nie gedacht, dass so viele Gäste kommen!” Abi Ofarim ist sichtlich bewegt vom Besucherandrang vor dem Schwabinger Griechen „Kalypso“. Eine beschauliche musikalische Lesung aus seiner neuesten Autobiografie „Licht & Schatten” sollte es werden. Doch daraus wird an diesem Abend nichts. Stattdessen lässt sich der 72- jährige von alten Weggefährten, Freunden und Prominenten wie Kabarettist Ottfried Fischer, TVÄrztin Antje-Katrin Kühnemann, Skandalschauspieler Rolf Zacher bis hin zu Prinz Leopold von Bayern wie ein jugendlicher Popstar feiern. Darüber kann sein Sohn Gil (27) nur müde lächeln. Denn in den 90er Jahren hat er den Teenie-Rummel um seine Person hautnah miterlebt. Im „Kalypso” steht jetzt wieder sein Vater im Rampenlicht – nach 27 Jahren Bühnenpause will er es noch einmal wissen.

Buchcover Licht & Schatten

Abi Ofarim, Licht & Schatten, LangenMüller, 2010, 240 Seiten mit 70 Abbildungen, ISBN: 978-3-7844-3218-2, 19,95 EUR

Gil, der optisch fast wie ein jüngerer Klon von Abi daherkommt, geht angenehm ironisch mit dem Gerangel um die besten Sitzplätze um. Als er auf der Gästeliste seinen Namen nicht vorfindet grinst er nur: „Na dann komme ich jetzt wohl auch nicht rein.” Doch darüber muss sich der Sänger keine Sorgen machen. Im Gegenteil. Am Ende ist es sogar Gil, der mit den Worten „Mein Papa für euch!” den „Rock ‘n Read”- Abend eröffnet. Voller Gefühl gibt ein in sich ruhender Abi dann musikalische Kostproben aus seinem neuen Album „Too Much Of Something”. Unterbrochen wird er nur durch den frenetischen Applaus der Zuschauer und den brummenden Bass von Torsten Münchow, der ausgewählte Passagen aus der von ihm als Hörbuch eingesprochenen Autobiografie des Gastgebers vorliest. Und die haben häufig einen bemerkenswert nachdenklichen Tonfall. Als er mit Grabesstimme vom Selbstmord von Abis Vater erzählt wird es im „Kalypso” mucksmäuschenstill. Bei dem ein oder anderen Gast kullert sogar eine Träne über die Wangen. Heiterer wird es erst wieder zu späterer Stunde, als Münchow (die Stimme von Antonio Banderas) von der schicksalsträchtigen Begegnung mit Esther erzählt und die ein oder andere Frauengeschichte auspackt („Sie hieß Iris”). Nur einen Satz nimmt man Abi nach dieser Partynacht nicht mehr ab: „Die wilden Jahre sind endgültig vorbei.” Wer’s glaubt wird selig.

Text: F. Marconi