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Viel Feinstaub in der Kirche

Nach neuesten wissenschaftlichen Studien: genauso dramatisch wie am Münchner „Stachus“

Raucher-Atheisten reiben sich schon die Hände. Denn im Mai soll das Volksbegehren „Für echten Nichtraucherschutz“ endlich in die Tat umgesetzt werden. Schlappe 13 Millionen Euro soll der rauchfreie Spaß kosten. Eine neue taiwanische Studie wirft jetzt die Frage auf, ob die Antiraucherkampagne bald auch die Kirchen erreicht. Denn Weihrauch enthält (genauso wie Tabakrauch) den krebserregenden Stoff Benzo(a)pyren. In einem Tempel in Tainan wurde unlängst eine Benzo(a)pyren-Konzentration gemessen, die 40-mal so hoch war wie in tabak-verrauchten Wohnungen. Allerdings gilt es zu bedenken, dass in taiwanesischen Tempeln Weihrauch deutlich intensiver eingesetzt wird als in den katholischen Kirchen in Europa. Zum dortigen Gesundheitsrisiko liegen scheinbar noch keine Studien vor. Trotzdem müssen leidenschaftliche Weihrauchjünger um ihr heiliges Räucherwerk bangen. Denn eine dem Passivrauchen vergleichbare Gefährdung erscheint aufgrund der Zusammensetzung des Rauches plausibel. In einer Studie wurde die Feinstaubbelastung in einer bayrischen Kirche gemessen; sie entsprach der Belastung einer vielbefahrenen Straße oder einer verrauchten Kneipe. Heißt das, dass man bald vom Weihrauch in der Kirche Abschied nehmen muss? Aus einem kulturellen Verständnis heraus kann man nur sagen: hoffentlich nicht. Denn die westliche Medizin entdeckte Weihrauch erst vor Jahren neu – als Heilmittel bei chronischen Entzündungen. Wobei vielleicht auch ein wesentlich profaneres Motiv die Weihrauchbekämpfer besänftigen kann: Der süßliche Qualm vertreibt laut bäuerlichem Brauchtum lästige Ungeziefer.

Text: Florian Maconi