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Für 29 Euro ab in den Süden

Das Castel del Monte ist 1996 von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt worden. Dieser Palast Friedrich II. stellt ein wunderbares Beispiel der romanisch-apulischen Architektur dar, ein Beispiel einer echten mathematischen Studie. Foto: Enit

Das Castel del Monte ist 1996 von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt worden. Dieser Palast Friedrich II. stellt ein wunderbares Beispiel der romanisch-apulischen Architektur dar, ein Beispiel einer echten mathematischen Studie. Foto: Enit

Bari und Brindisi locken mit Billigflügen ins Reich von Barbarossas Enkel

Im schaukelnden R 4 war das damals – junge Eltern und zwei quirlige Buben mit Zelt und Gummiboot auf Kurs in den Süden. Die Ochsentour nach Griechenland: zwei Tage Anreise zur Fähre nach Brindisi. Und dann dieses gleißende Licht Apuliens, die weißen Städte am Meer, Kathedralen und Kastelle. Eigentlich müsste man hier bleiben, aber das Ticket …

Jetzt entfällt die mühsame Anreise. Endlich gibt es eine direkte Flugverbindung zwischen München und Brindisi. Nicht einmal zwei Stunden dauert der Sprung vom nasskalten Münchner November in die trockene Frische des Mezzogiorno. Hier fröstelige acht Grad, dort anregende 17 bei heiterem Himmel. Und dann der Preis: Gerade mal 29 Euro kostet das billigste Einweg-Ticket bei TUIfly. Damit sind auch alle Steuern und Gebühren beglichen. Zwei Routen stehen zur Wahl. Zweimal pro Woche, donnerstags und sonntags, geht es von München nach Bari, Apulien. Und dann gibt es seit November jeden Samstag die Verbindung von Memmingen nach Brindisi. Ab Sommer nächsten Jahres starten sogar zwei Flüge, und zwar montags und donnerstags. Der neue Allgäu Airport ist von München über die A 96 nach Lindau in einer Stunde und zwanzig Minuten zu erreichen. Eine Woche parken kostet kaum mehr als ein einziger Tag in einer Tiefgarage der Landeshauptstadt – 28 Euro.

Stiefels. Als Sporn ragt der Gargano keck in die Adria hinein. Ein Gebirge mit zwei Tausendern und ausgedehnten Nadelwäldern. Die Ferse bei Bari bis hinunter zum Absatz bei Brindisi und vor allem Lecce ist das ausgetrocknete Salento, das uns in Form des „Salice Salentino“, des Roten der Region, mit soviel salziger Frucht und Würze umso feuchter über die Zunge geht. Die Landung im Süden hat ganz neue Dimensionen. Die Gesellschaft Aeroporti di Puglia hat die Flughäfen der Region auf vierzig Jahre gepachtet und deshalb zielstrebig auf die kommenden Jahrzehnte ausgerichtet. Dabei hatten zwei Künstler ihren großen Auftritt. Der Flughafen „Karol Wojtyla“ in Bari glänzt mit einer Installation von Stephen Antonakos (82) mit dem Titel „Orizzonte“, und das Terminal in Brindsi wird von den „Light Waves“ von Carlo Bernardini (42) in ein irisierendes Licht getaucht. Anregungen für ihre ehrgeizigen Aufträge hatten sich die Planer am Münchner Flughafen geholt.

Der „Flughafen des Salento“ in Brindisi nimmt eine besondere Stellung ein: Wo sonst in der Welt liegt eine Luftpiste unmittelbar neben einem stark frequentierten Wasserhafen? Hier können die Passagiere von Kreuzfahrtschiffen ohne Umwege zu ihren Anschlussflügen wechseln und umgekehrt. Wie schon zu den eingangs beschworenen R-4-Zeiten pendeln Fährschiffe regelmäßig zwischen Brindisi und der nur 30 Kilometer entfernten Griecheninsel Korfu. Sie bedienen auch die Strecke zum griechischen Festland mit Igoumenitsa, Patras und bis nach Piräus. Die Inseln Kefalonia und Paxos stehen ebenfalls auf dem Fahrplan. Moderne Cafèbars und Shops mit Produkten des Landes gibt es in beiden Terminals. Um diese richtig zu genießen, muss man tiefer in das Land hinein. Trattorie und Ristorante überbieten sich mit Miesmuschelsalat, mit zartem Oktopus in Tomatensoße, Wirsing in Truthahnbrühe und mit Wurst gefüllter Schafsroulade. Als Beilage gibt es wilde Gemüse aller Art, etwa Zichorien, Fenchel und Gänsedisteln. Zum stark gebrannten Caffè werden Kaktusfrüchte und Mandelgebäck gereicht und hinterher einen zuckersüßer Lorbeerlikör. Wenn man mal von den Tomaten absieht, die ja erst mit Kolumbus aus der Neuen Welt ins Land kamen, hat sich der Charakter der regionalen Küche seit Urzeiten wenig verändert. Ein geschmäcklerischer Schub mag allerdings schon mit den Griechen ins Land gekommen sein, die um 700 vor Christus vor allem Tarent als Teil ihres Magna Graecia kolonisierten. Ihren Goldschmuck kann man im Museum der Stadt bewundern. Deutsche Touristen wandeln mit Vorliebe auf den Spuren eines Ahnen. Der römisch-deutsche Kaiser Friedrich II. (1194–1250), ein Enkel Barbarossas,hinter ließ im Hinterland von Bari ein Bauwerk, das in einer Reihe mit Neuschwanstein, der Akropolis und der Golden Gate Brücke die Wandkalender in aller Welt ziert – das Stauferschloss Castel del Monte. Niemand, dem nicht schon bei Nennung dieses Namens jener edel geformte Klotz vor Augen erscheint, dessen acht Ecktürme ihn zu einer Krone der Festungsbaukunst machen. Landauf landab hat Friedrich, der hochgebildete Spross der schwäbischen Staufer, seine Spuren hinterlassen. Vom Schloss von Lucera im Norden bis zu dem von Oria im Süden zieht sich das ABC seiner Residenzen von Andria über Bari bis Castel Fiorentino, wo er der Legende nach starb. Die Route durch die byzantisch-normannischstaufische Kultur kreuzt im Zickzack der Länge nach durch ganz Apulien. Byzantinisch, das ist zum Beispiel die Kirche S. Pietro von Bovino, normannisch die Kathedrale von Otranto mit ihrer 16-strahligen Fensterrose, und staufisch jene von Altamura. Der Barock dagegen blüht hauptsächlich im Süden um Lecce auf der Salento-Halbinsel üppig aus rosafarbenem Gestein.

Text: Gerhard Merk

Informationen: Italienische Zentrale für Tourismus ENIT www.enit.de, Aeoroporti di Puglia www.aeroportidipuglia.it, TUIfly www.tuifly.com.