Titelstory
Eine neue Fehlplanung der Verkehrsdilettanten

Weiter gehts nach Nirgendwo: Die neue Schwabinger Straßenbahn kurz vor der Haltestelle Münchner Tor. Foto: Grossmann
Viel gerühmt wird die Münchner Verkehrsorganisation mit U-Bahn, S-Bahn, Bus und Straßenbahn – aber nur von den eigenen Leuten. Unsere rührige Fremdenverkehrsdirektorin Gabriele Weishäupl etwa wird nicht müde, das Münchner System zu loben.
Schaut man aber über den Tellerrand hinaus, z.B. nach Wien, so kann man erfassen, wie es wirklich gut geht. Auch Paris bietet gute Beispiele. Dort werden durch eine ausgeklügelte Symbiose die öffentlichen Verkehrsmittel fast ideal verbunden. In München dagegen kann man täglich neue Horrorgeschichten und grandiose Planungsfehler erleben.
Wirklich ein Traum ist die kürzlich eingeweihte Tramverbindung nach Norden, ausgehend von der Münchner Freiheit über die Domagkstraße nach Schwabing Nord. Bestens wird diese neue Linie von den Fahrgästen angenommen. Die Münchner Freiheit ist ein richtiger Verkehrsknotenpunkt mit Umsteigemöglichkeiten von U-Bahn und Bussen. Eine niedliche Rolltreppe führt zur neuen Haltestelle. Sie ist nur meistens kaputt. Dies ist besonders ärgerlich für Behinderte und ältere Fahrgäste. Lift gibt es keinen, über Umwege kann man auf der anderen Seite zur Leopoldstraße einen Lift benützen, muss aber dafür den breiten Boulevard überqueren.
Flugs fährt die neue Tram immer pünktlich Richtung Norden. Nach zwei Haltestellen biegt sie aber plötzlich ins Niemandsland ab und fährt hinter dem Hotel Holiday Inn und dem ehemaligen Schwabylon zum sogenannten Münchner Tor vor dem Ring weiter.
Links von der Leopoldstraße, zwischen Parzivalsstraße und Ring ist ein riesiges Einzugsgebiet mit Hochhäusern, großem Altenwohnheim und dem Behindertenzentrum der Pfennigparade. Besonders für diese ist das Umsteigen am Parzivalsplatz in einen Bus beschwerlich. Wo die Straßenbahn nach der Biegung weiterfährt, ist praktisch nichts mehr. Man könnte zwar das Mariott-Hotel erreichen, muss sich aber wie im Dschungel durchkämpfen oder weit am Ring entlang herumgehen. Sinnvoll wäre es gewesen, wenn es zu diesen Gebäuden einen Durchgang gegeben hätte. Da ist aber alles gesperrt. Geübte sportliche Menschen wurden dabei beobachtet, wie sie sich einen Hang herunterquälten. Bei der Weiterfahrt könnte man noch mehrere so interessante Bereiche anprangern. Die Fahrt endet in einem Gelände, das jetzt eine Baugenehmigung erhalten hat. Die Grundstückpreise steigen natürlich sofort. Die Besitzer können sich glücklich schätzen. Den Verantwortlichen der Stadt und der MVG sollte man eine Pflichtübung verordnen, täglich mit den Öffentlichen zu fahren, damit sie erleben, wie es vielen Bürgern täglich geht.
So ist zum Beispiel an der Haltestelle Uni meist die Rolltreppe kaputt. Jetzt war sie wieder gesperrt, weil die Decke frisch angestrichen werden musste. Die Arbeiter stellten aber fest, dass sie nicht malen konnten, weil das Wetter zu schlecht war. Die Rolltreppe blieb aber weiterhin gesperrt, anstatt sie gleich wieder zu öffnen, dann war Wochenende, usw.
Text: siderius




















