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Der Wiesn-Blick vom Heute ins Gestern

„Teufelsrad“

Damals wie heute ein Gaudi-Garant: Anno 1908 öffnete das „Teufelsrad“ seine Türen. Schon Karl Valentin und Liesl Karlstadt vergnügten sich beim schnellen Dreh. Foto: Grossmann

Attraktion zum Jubiläum – die „Historische Wiesn“ auf dem Südteil der Theresienwiese: Packende Pferderennen, Herzschmerz-Hochzeiten und ein Spiegelkabinett, das ins „Land des Lächelns” führt

Heuer ist ein ganz besonderes Jahr, denn die Wiesn feiert ihren 200. Geburtstag. Dieses Mal dauert das größte Volksfest sogar länger als sonst. Denn zum Jubiläum schenkte der Münchner Stadtrat allen Feierwütigen noch den Montag, den 4. Oktober.

Was ursprünglich nur eine fünf Tage dauernde „Feier für das Volk” anlässlich der Hochzeit von Kronprinz Ludwig I. mit seiner Prinzessin Therese war, hat sich mit der Zeit zum größten Volksfest der Welt entwickelt.

Nun könnte man sich wundern wie es möglich ist, dass man bei der 177. Wiesn das 200-jährige Jubiläum feiert. Leider sind seit 1810 wegen Kriegen und Epidemien 23 Oktoberfeste ausgefallen.

Damit die Geschichte des Oktoberfests nicht in Vergessenheit gerät gibt es in diesem Jahr die „historische Wiesn”. Eröffnet wird die charmante Sonderveranstaltung am Freitag, 17. September, nach einem besonderen Festzug um 11 Uhr.

Im Zentrum steht hier natürlich das traditionelle Pferderennen, das damals zu Ehren des Hochzeitspaares veranstaltet wurde. Um 13 und 18 Uhr wird es auf dem großen Platz jeden Tag ausgetragen. Nach soviel tierischer Tradition darf auch die menschliche nicht zu kurz kommen. Der Hochzeitsbrauch kommt da gerade recht. Aus 15 bayerischsächsischen Paaren wurden drei ausgesucht, die am 12. Oktober, dem Hochzeitstag von Ludwig und Therese, von OB Ude in der Kongresshalle getraut werden.

Wem das ein wenig zuviel Herzschmerz ist, der kann sein Herz anderweitig, aber dennoch historisch verbrieft, zum Rasen bringen. Und zwar, wenn es heißt: Bühne frei für die traditionellen Fahrgeschäfte. Die 1939 erbaute Bergund Talbahn „Fahrt ins Paradies” öffnet wieder ihre Tore, aber auch das Spiegelkabinett „Land des Lächelns” und ein Velodrom mit etwas anderen Fahrrädern laden zum Verweilen ein. Ebenfalls traditionell geht es im historischen Festzelt mit 3500 Innenplätzen und 3000 weiteren im Biergarten zu. Hier werden ein Tanzboden und eine Lohnwürstelgrillerei für zusätzliche Stimmung sorgen. Jeder Gast kann sich hier, wie früher bei den Hendln, seine Würstel selbst mitbringen und vor Ort zubereiten lassen.

Eine besondere Attraktion ist auch das Jubiläumsbier, das alle sechs Münchner Brauereien gemeinsam nach einem ausgefallenen Geheimrezept gebraut haben. Die Maß des Gerstensaft-Zaubertranks wird für 8,80 Euro täglich bis 19.30 Uhr verkauft. Ausgeschenkt wird das edle Gesöff übrigens nicht im Glaskrug, sondern im Keferloher. Wer noch über genügend Reserven im Portemonnaie verfügt kann den 33 Euro teuren Jubiläumskrug auch käuflich erwerben.

Am Ende winkt noch das Kleinkunstprogramm im „Herzkasperlzelt”, in dem ein Streichelzoo auf Kinder wartet. Der Eintritt zur historischen Wiesn kostet vier Euro, für Kinder bis 14 Jahren ist der Blick ins „Wiesn-Geschichtsbuch“ kostenlos.

Text: Florian Marconi