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Ceterum Censeo, Nachrichten

Ceterum Censeo

Also sprach Cato der Ältere nach jeder Rede vor dem römischen Senat: Im übrigen meine ich, daß …

… wir folgende Erschwernisse als erneuten Beweis für den Untergang der römischen Kultur, vor allem in unserer nördlichen Provinz Raetien, ansehen müssen: So gibt es zum Beispiel in der Capitale Monachium viele unerfreuliche Geschehnisse im publicus commeatus (Öffentlicher Nahverkehr).

Herbert König (67), Geschäftsführer der MVG. Foto: Archiv

Herbert König (67), Geschäftsführer der MVG. Foto: Archiv

Der von eigenen Zungen vielgerühmte öffentliche Nahverkehr soll angeblich weltweit der angesehenste sein. So wird man bei vielen Gelegenheiten das Selbstlob der Visitorix Attractiones (Fremdenverkehrschefin), Candidata Levis Caput (Gabriele Weishäupl) und des Praetor Commeati Monachii (Chef der Münchner Verkehrsgesellschaft), Umbertus Rex (Herbert König) deutlich erkennen können.

Ein guter Test der unterschiedlichen Charaktere der Fahrer der öffentlichen Verkehrsmittel, wie Stadt-, Metrobusse und U-Bahnen, ist die Ecke Leopold-/ Martiusstraße. Wenn man etwa mit dem Bus aus der Maxvorstadt in Richtung Nord- Schwabing (zum Einkaufszentrum Metro, Lidl oder Biomarkt an der Haltestelle Potsdamer Straße) fahren will, so ist das zunächst einmal kein großes Problem.

Am vorher genannten Verkehrsknotenpunkt steigt man in den 54er Bus und kommt so meist sicher an sein Ziel. Viele Fahrer sind sehr höflich, steigen aus, helfen Frauen mit ihren Kinderwagen oder alten gebrechlichen Leuten.

Andere wiederum sind fixiert auf die Ampel, treten aufs Gas und freuen sich klammheimlich, dass sie die Umsteiger vom 154er Bus nicht mehr mitnehmen müssen, derentwegen sie ein paar Sekunden länger hätten warten müssen.

Besonders erfreulich ist dies am Sonntag, wenn man auf den nächsten Bus mindestens 20 Minuten warten muss, um zum Altersheim in der Rümannstraße, zum Schwabinger Kankenhaus oder zur Pfennigparade in der Barlachstraße zu gelangen. Obligatorische Ausrede: Die Fahrer müssen ihren vorgeschriebenen Sekundentakt einhalten.

Ist der denn beim Münchner Verkehrsfluss immer einzuhalten? Von der Münchner Freiheit zum Parzivalplatz kann es durch den Verkehrs- Umbau (die neue Tram!), bis zu einer halben Stunde dauern. Dieser Stau gilt natürlich auch für die öffentlichen Busse. Der 54er Bus fährt über den Ostbahnhof durch ganz Monachium bis über Sendling hinaus.

Ausweichmöglichkeit für geübte Teilnehmer am öffentlichen Verkehr: Der 142er Bus fährt ab Scheidplatz im Kreisverkehr zwischen Schwabinger Krankenhaus und dem Altenheim in der Rümannstraße. Dieser Bus fährt immer pünktlich, auch die Fahrer sind ausnehmend freundlich.

Diese täglichen Missverständnisse im öffentlichen Nahverkehr werten wir als einen weiteren Hinweis für den allmählichen Niedergang der römischen Provinz Raetia.

Noch sehen wir keine Not, unsere legiones in Alarmbereitschaft zu versetzen. Aber sollten sich diese Zustände nicht bessern, werden wir unsere braven milites mit dem gladio in der Faust in den Dschungel des Nahverkehrsnetzes entsenden, damit sie einigen selbstherrlichen aurigae (Wagenlenkern) endlich Dampf unter dem podex machen.

Aber vielleicht entscheiden sich die Praetores Comeati doch noch für die Ratio. Ein Beispiel gibt die Ferrum Via (Bundesbahn): Sie schult ihre Mitarbeiter ad majorem imago.

Text: nuntius siderius