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Nachrichten, Radio Gong 96,3

„An uns kann keiner vorbei“

Frank Elstner und Georg Dingler

Für Radio Gong kam er sogar im Schneetreiben: Moderator Frank Elstner mit Gastgeber und Hausherr Georg Dingler. Fotos: Radio Gong 96,3

25 Jahre Radio Gong 96,3 – 25 Jahre mit Senderchef Georg Dingler – ein Interview

Extrablatt: Vor 25 Jahren waren Sie ein Pionier des Privatradios. Waren das goldenere Zeiten?

Georg Dingler: Aber nein. Am Anfang war das ja erst mal ein Ausprobieren. Außer Radio Luxemburg gab es keine Vorbilder, was die Moderation und die Musik betrifft. Dort habe ich mir viele Anregungen geholt und eine Reihe von Sonderformen kreiert. Ich kam ja vom Bayerischen Rundfunk. Dort konnten wir nicht so flexibel sein. Eines meiner Vorbilder bei RTL war Frank Elstner. Mit ihm als Stargast habe ich dann selbst eine Sendung moderiert. Dazu kam er beim größten Schneetreiben für nur zwei Stunden nach München.

Das Geld floss damals aber flotter?

Zugegeben, heute ist es bedeutend schwieriger. Aber wenn die Qualität, sprich die entsprechende Reichweite stimmt, und wenn es deiner Top-Verkaufsmannschaft gelingt, die Werbung maßzuschneidern, dann bist du mit im Spiel. Die Betreuung zählt. Wenn du den Kunden in guten Zeiten gut behandelst, bleibt er dir auch in schlechten Zeiten. Früher hat einer halt bei drei bis vier Sendern gebucht, jetzt nimmt er nur noch zwei. Aber er muss wissen: Ohne Gong geht es nicht, an Gong kann keiner vorbei. Dazu aber muss unsere Performance durchgängig sein.

Thomas Gottschalk

Erinnerungen aus der Pionierzeit des Privatradios: Thomas Gottschalk und Georg Dingler kennen sich vom BR. Foto: munich press

Wie fing das eigentlich an?

Damals war Thomas Gottschalk bei Bayern 3 der einzige Lichtblick. Mit dem war ich jahrelang beim BR zusammen und hab mit ihm überlegt, was man Neues machen kann. Als ich ihn jetzt letztes Mal beim „Katzlmacher“ traf, hat er über damals geflachst. Etwa so: Es gab nur zwei Sender die zählten, Radio Gong 96,3 und Bayern 3. Gong hatte 96 Hörer und wir 3.

Sie meinen, die Zeit war damals reif …

Die Leute fanden es toll, dass es endlich mal einen Sender gibt, bei dem man ins Studio gehen kann und nicht gleich vom Pförtner abgewiesen wird. Zum Beispiel unser Taxifahrer-Frühstück. Wenn wir die Taxler eingeladen haben, war die ganze Nordendstraße vor unserem damaligen Studio komplett von Autos blockiert. Wir haben stets für unsere Hörer ein offenes Haus geführt. Zur Fußball-WM haben wir erstmals eine Riesen-Anlage in die Leopoldstraße gestellt. Und bei unserem Fasching tobte der Viktualienmarkt. Dass dieser Auftritt abgeschafft wurde nehme ich als Kompliment: Wir waren halt zu erfolgreich.

Gab es denn gar keine Pannen, oder lief alles immer so glatt?

Natürlich haben wir auch Fehler gemacht. Am Anfang haben sich die Moderatoren manchmal noch versprochen. Das fanden die Hörer eine zeitlang ganz lustig, aber dann meinten die Leute: Jetzt ist es ja gut. Und wir wurden professioneller, effektiver, minutiöser – ohne dabei unsere Lockerheit zu verlieren.

Georg Dingler

Ein Mann und sein Sender: Georg Dingler brachte vor 25 Jahren Münchens beliebtesten Privatsender auf den Weg. Foto: Radio Gong 96,3

Und das Programm profitierte davon?

Am Anfang brachten die Moderatoren ja noch ihre eigenen Platten im Köfferchen mit. Man war abhängig von ihren Launen. Wenn einer schlecht gestimmt war, hat er halt Trauriges aufgelegt. Und wenn er gut drauf war, war Party angesagt. Das hat sich grundlegend geändert. Fred Kogel, ein alter Kollege vom BR, hat bei Radio Gong den Musikcomputer eingeführt. Da gab es erst mal einen Aufstand, die Moderatoren fühlten sich ja als Künstler.

Musik-Computer? Klingt ja ein bisschen wie Musik von der Stange …

Heute geht es ja gar nicht mehr anders. In unserem Auftrag werden ausgewählten Leuten Musikstükke vorgespielt, die sie dann nach Zielgruppen beurteilen. Dann wissen wir: Das wollen die – das lehnen sie ab. Und danach richtet sich dann, welches Stück wie oft gespielt wird am Tag. Denn anhand der ermittelten Daten stellt der Musikredakteur sein Programm zusammen.

Hat sich der Musikgeschmack in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten gewandelt?

Vor 25 Jahren waren die Unterschiede viel größer. Gespielt wurde alles – egal ob englisch, deutsch, Schnulze oder Rock’n’Roll. Heute muss man darauf achten, dass man auch Ecken und Kanten ins Programm bringt. Wir spielen auch mal „Sommer in der Stadt“ von der Spider Murphy Gang und Songs von Willy Astor. Mit so was punktet man gerade in München: Mit Emotionen, Emotionen, Emotionen.

Wie sieht das ideale Programm aus?

Das muss alles zusammenpassen: Der Wortanteil soll nicht zu hoch, die Blöcke dürfen nicht zu lang sein. Die Info muss stimmen: Wie wird das Wetter? Wo wird geblitzt? Wer spielt in der Allianz-Arena? Wer rockt im Olympiastadion? Dann hast du Meldungen aus aller Welt und aus der Politik, und schließlich die Werbung. Die Crux ist ja: Je erfolgreicher du bist, desto mehr Werbung hast du.

Wie sieht man bei Radio Gong die Zuklunft?

Die Digitalisierung bei der Musik schreitet unaufhaltsam fort. Da holt sich jeder das, was er eben hören möchte direkt auf seinen iPod. Aber im Radio gibt es diesen Moderator, den man immer wieder hören will. Ein Typ, der einem den Tag schön macht. Alles andere ist austauschbar, aber den Moderator kann keiner ersetzen. Und außerdem hat er aktuelle Termine und Informationen, die einem niemand anderer geben kann.

Interview: Leon Berger