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Alle warten schon auf den Bärlauch

Der Chinesische Turm im Jahr 1950 – in Tusche. © Extrablatt
Lang und beharrlich hat sich der Winter heuer über den Englischen Garten gesenkt. Die Spaziergänger genossen eine tief verschneite Parkwelt und die Langläufer zogen erstmals auf gleich zwei Loipen ihre Runden. Doch nun kann selbst Väterchen Frost den Einzug des Frühlings nicht mehr stoppen. Ein warmer Föhn leckt die letzten Schneereste in den Schattenlagen hinweg und allenthalben beginnt das große Knospen.
„Die Kurfürstliche Anlage hat den Winter gut überstanden“, sagt Thomas Köster, „und mit ein bisschen Föhn kommt die Vegetation gleich um zwei, drei Tage früher voran.“ Etwas Vorsicht beim Spaziergang ist nur auf stillen Nebenwegen geboten. Von den 78 Kilometern Parkrouten hat der Verwaltungschef des Englischen Gartens zwar gut ein Drittel räumen lassen. Aber weil der Boden noch gefroren ist und das Tauwasser dadurch nicht gleich versickern kann, sind Schlammstrecken nicht zu vermeiden. Und auf den nicht geräumten Seitenwegen hält sich der Eispanzer aus festgetretenem Schnee besonders hartnäckig.
Der Schnee hat aber auch die Pflanzen geschützt. „Dort, wo er weg ist, wird das Gras schnell grün“, sagt Köster. „Die ersten Sträucher treiben schon aus.“ Die Kornelkirsche entfaltet noch vor den Blättern ihre gelben Blüten. Dann folgen schon die Spireen, Mispeln und endlich auch die Forsythien. Beim Flieder braucht es noch etwas Geduld, der muss erst Blätter treiben. „Ja, und dann kommt der Bärlauch“, sagt Köster, „auf den warten schon alle Feinschmecker.“
Womit wir unversehens beim Thema Essen wären und damit auch schon beim unvermeidlichen Einkehrschwung im Restaurant am Chinesischen Turm. Die Küche der historischen Gaststätte neben dem weltbekannten Pagodenturm von 1789 (in der „Chinesischen Wirtschaft“ tafelte schon Parkgründer Kurfürst Karl Theodor mit seiner verwöhnten Hofgesellschaft) orientiert sich nämlich grundsätzlich an den jahreszeitlichen Vorgaben. Leicht und schonend will sie sein, traditionsbewusst und offen für alle Anregungen dieser Welt.
Zum Einstieg in die „Fischwochen“ lockt eine Lachssuppe mit Miesmuscheln, Garnelen und Kartoffeln (7,50). Schon für 12 Euro kann man wählen zwischen einem gebratenen Zanderfilet auf marinierten roten Rüben mit Meerrettich-Crème-frâiche und handverlesenen Feldsalat und einer Forelle Müllerin – ganz klassisch mit Petersilienkartoffeln und bunten Blattsalaten. Dann steigern sich die Genüsse vom gebratenen Welsfilet auf gedünstetem Wirsing (mit Speck-Kapernbutter und Petersilienkartoffeln, 14,50) über das Filet von der Dorade Royal (auf feinen Gemüsegraupen mit Brunnenkresseschaum und Tomatenbutter, 17,00Û) bis zu Petersfisch und Garnele (mit Pfefferbutter gebraten auf buntem Gemüsereis, 17,50).
Wer Genüssen wie diesen tiefer auf den Grund gehen will, sollte sich zum Erlebniskochen am 21. März um 16 Uhr eintragen. Unter dem Motto „Erlebniskochen & Weinschmekken – Mise en place für alle!“ führt Küchenchef Alfred Rupp in die Geheimnisse seines Metiers ein. Dieses Mal geht es um die perfekte Vorbereitung eines privaten Essens. Wer möchte schon gerne die Gäste in der Küchenschürze empfangen und am Herd stehen, wenn sie den Aperitif nehmen? Das Zauberwort der Profis heißt „Mise en place“, es macht den Gastgeber und Hobbykoch frei für seine Gäste. Zum Abschluss wird das gekochte Menü serviert: Carpaccio von der Rinderlende, Lammrücken mit grüner Kräuter-Schafskäsekruste und Creme brúlée mit gemischten Beeren (Reservierung bitte unter www.erlebniskochen.de, Telefon 08091-5396575).
Fürsorgliche Planer denken jetzt auch schon an die schönen Osterfeiertage. Nichts krönt an den Feiertagen einen Spaziergang durch den knospenden Englischen Garten besser als ein Osterbrunch im Restaurant am Chinesischen Turm. Dort wird am 4. und 5. April jeweils von 10.30 bis 14.00 Uhr opulent aufgetischt. Da bleiben keine Wünsche offen – von der Spargelcremesuppe und dem Rindercarpaccio über diverse Salate bis hin zu den Variationen von Räucherlachs, Forelle und Pfeffermakrele ist für jeden Geschmack gesorgt. Und zum Schluss locken Desserts in bunten Farben und vielerlei Geschmäckern.
Text: Leon Berger




















